Pressemitteilung

Kiel, 8. November 2010. Das Aktionsbündnis Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein hat am Montag in Kiel unter dem Motto "Kürzt den Kindern nicht die Zukunft" eine ausreichende Finanzierung der pädagogischen
Aufgaben der Kitas gefordert. "Die von der Landesregierung angekündigten 10 Millionen Euro zusätzlicher Förderung kommen bei den Kitas nicht an. Ohnehin fängt diese Summe nicht einmal die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre auf. Damit bleibt Schleswig-Holstein bundesweit Schlusslicht bei der Finanzierung frühkindlicher Bildung", erklärte Günter Ernst-Basten, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände. Das Aktionsbündnis ist ein Zusammenschluss von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, der Landeselternvertretung und weiteren Organisationen. Jetzt hat das Bündnis das Positionspapier "Zukunft für Kinder - Kinder brauchen gute Kitas! vorgelegt.

Das Bündnis weist auf den in Schleswig-Holstein eklatanten Widerspruch hin, hohe Ansprüche an die Arbeit in den Kitas zu stellen, diese Anforderungen aber nicht zu finanzieren. Frühkindliche Bildung muss zu einem gemeinsamen gesellschaftlichen Ziel werden, fordert das Aktionsbündnis. Dazu gehört, die Familien mit dem Ausbau von Plätzen und Betreuungszeiten zu entlasten und allen Kindern die Chance zu geben, eine Kita zu besuchen. Das Bündnis fordert zudem Arbeitsbedingungen, die es den Fachkräften erlaubt, die pädagogischen Anforderungen zu erfüllen.

Um berufstätigen Eltern entgegen zu kommen, müssen Kitas verlässliche und an die Arbeitszeiten angepasste Öffnungszeiten anbieten. Eltern in Schleswig-Holstein zahlen zurzeit bundesweit die höchsten Gebühren - das Bündnis fordert, eine Beitrags-Obergrenze festzulegen. Außerdem soll in allen Orten des Landes eine einheitliche Sozialstaffel gelten, unabhängig davon, ob die Eltern wenig verdienen oder arbeitslos sind. Dazu müssen das Kita-Gesetz und die Kita-
Verordnung angepasst werden. Auch Kinder mit Behinderungen sowie Unterdreijährige haben das Recht, mit ihren Altersgenossen gemeinsam eine Kita zu besuchen. Daher müssen Kitas räumlich und konzeptionell so gestaltet werden,
dass sie Förderkinder aufnehmen können.

Um die Bildungs- und Betreuungsaufgaben zu bewältigen, bedarf es gut ausgebildeter Fachkräfte. Die Zeit für die Umsetzung der Bildungsleitlinien des Landes und für die geforderte Dokumentation der Bildungsprozesse, für Sprachförderung und die Zusammenarbeit mit Grundschulen, für Elterngespräche und die Fortbildung der Fachkräfte muss in die Berechnung der Arbeitszeiten und des Betreuungsschlüssels einfließen.

Eine große Mogelpackung sei es, so Markus Potten, Geschäftsführer des Verbandes Evangelischer Kindertageseinrichtungen und einer der Sprecher des Kita-Aktionsbündnisses, dass die Landesregierung 10 Millionen Euro zusätzlicher Landesmittel angekündigt hat, diese die Kitas aber nicht, wie von Bildungsminister Ekkehard Klug geplant, erreichen werden. Das Land hatte die Beitragsfreiheit für das dritte Kita-Jahr im Sommer dieses Jahres wieder aufgehoben und damit 35 Millionen Euro eingespart. Zugleich hatte das Land versprochen, Anfang nächsten Jahres 10 Millionen an die Kommunen zu zahlen, um damit die Bildungsqualität in den Kitas verbessern. Hierzu sollten mit den Kommunen verbindliche Eckpunkte festgelegt werden.

Tatsächlich planen einige Landkreise aufgrund der erwarteten Gelder aber schon jetzt eine Absenkung ihrer Mitfinanzierung der Kitas. Es besteht daher die reale Gefahr, dass die Mittel im allgemeinen Finanzausgleich zwischen Land und Kommunen verschwinden und nicht für den Kitabereich eingesetzt werden.

"Wir leben mit Kürzungen statt mit Aufstockungen, denn wir bekommen Jahr für Jahr weniger Landesmittel pro Kind", so Potten. "Wir brauchen jedoch jeden Cent, denn frühkindliche Bildung geht nicht ohne Finanzierung. Der Bildungsauftrag des Landes und die Erwartungen der Eltern sind sonst nicht zu erfüllen".


Ansprechpartner für das Kita-Aktionsbündnis:

Markus Potten, Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein
Tel. 04331 – 593 – 170 oder 0170 – 5 61 21 64

Günter Ernst-Basten, LAG der freien Wohlfahrtsverbände
Tel. 0431 – 56 02 – 0 oder 0171 – 8 65 49 66