epd-Nordmail-Meldungen, 29. August 2006

Koalition hat sich auf Verbot religiöser Symbole in Schulen verständigt

Knuth: Entscheidung im Einzelfall besser

Kiel (epd). Die CDU/SPD-Regierungskoalition in Schleswig- Holstein hat sich auf ein generelles Verbot religiöser Symbole in den Schulen des Landes verständigt. Dies teilte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) in Kiel mit. Ausgenommen davon sei nur der Religionsunterricht. Das Verbot soll im neuen Schulgesetz festgeschrieben werden, das voraussichtlich am 15. Februar 2007 in Kraft tritt.

Bischof Hans Christian Knuth hat als Vorsitzender der nordelbischen evangelischen Kirchenleitung das generelle Verbot als "problematisch" bezeichnet. Eine Entscheidung im Einzelfall wäre besser.

Wird das generelle Verbot Gesetz, dürfen islamische Lehrerinnen kein Kopftuch in der Schule tragen. Auch christliche Symbole wie das Kreuz sind nicht erlaubt, wenn sie zu sehen sind. Auch wenn die Entscheidung "nachvollziehbar" sei, so Knuth, bleibe die Kirchenleitung bei ihrer ablehnenden Haltung. Das Leitungsgremium hatte bereits im Juni einem generellen Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen eine Absage erteilt.

Nach Ansicht der Kirchenleitung wäre es verfassungsrechtlich zweifelhaft, wenn christliche Symbole ein Pivileg bekommen würden. Im Klartext: Wenn die muslimische Lehrerin kein Kopftuch tragen darf, dann darf der Pastor auch nicht mit umgehängten Kreuz über den Schulhof gehen.

Knuth bezweifelt, dass der Unterricht grundsätzlich von christlichen Symbolen frei gehalten werden kann. "Der Lernstoff vieler Fächer ist doch so mit unserer christlichen Tradition verbunden, dass eine Verbannung kaum möglich erscheint." Der Bischof verwies etwa auf christliche Symbole in Malerei und Kultur.

In Schleswig-Holstein hatte im Februar der Fall der 23- jährigen Muslimin Gilek Yilmaz für Schlagzeilen gesorgt. Sie war als Referendarin für Mathematik und Französisch zum Dienst in einer Schule in Schacht-Audof (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit Kopftuch erschienen. Dies hatte Erdsiek-Rave scharf kritisiert. Der Landtag wird das neue Schulgesetz voraussichtliche im Dezember abschließend beraten und beschließen.





CDU-Frauen fordern Kopftuch-Verbot für Schülerinnen

Kiel/Hamburg (epd). Die Frauen-Union der CDU Schleswig- Holstein hat ein Kopftuch-Verbot für muslimische Schülerinnen gefordert. Zugleich wehrt sie sich gegen das geplante Verbot jüdischer und christlicher Symbole für Lehrkräfte. Europa sei durch die jüdisch-christliche Tradition geprägt, erklärte die Vorsitzende Karin Wiedemann in Schenefeld (bei Hamburg). Es sei Aufgabe der CDU, diese kulturellen Wurzeln zu pflegen. Wiedemann ist auch Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium.

Der katholische Weihbischof für Schleswig-Holstein, Hans-Jochen Jaschke, hat das allgemeine Verbot religiöser Symbole in den Schulen kritisiert. "Wir halten das generelle Verbot für nicht angemessen", sagte Jaschke in Hamburg.

Selbstverständlich dürfe es an Schulen keine religiöse Propaganda geben.

"Aber wir möchten nicht, dass die öffentliche religiöse Kultur verloren geht." Christliche Symbole seien ein Ausdruck dieser Kultur.





Abschied von Hauptpastor und Propst Petters

Hamburg (epd). Karl-Günther Petters (64), Hamburger Hauptpastor und Propst, ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Seine Nachfolgerin in beiden Ämtern wird Anfang September Kirsten Fehrs (44) aus Neumünster, bislang Pastorin für Personalentwicklung im Kieler Kirchenamt sowie im Kirchenkreis Rendsburg. Petters war seit Ende 1993 Propst im Hamburger City- Kirchenkreis und seit Anfang 2005 zusätzlich Hauptpastor an St. Jacobi. Zuvor wirkte er ab 1991 knapp zwei Jahre als Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsdienst (AfÖ).





EKD erinnert an evangelische Opfer des KZ Sachsenhausen

Oranienburg (epd). Zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus im KZ Sachsenhausen inhaftierten und ermordeten evangelischen Christen wird am Mittwoch in der Gedenkstätte in Oranienburg eine Stele errichtet. Die Skulptur des Berliner Künstlers Christian Roehl soll bei einer Gedenkfeier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) enthüllt werden, teilte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Oranienburg mit.

Die Inschrift auf der Stele mahnt unter anderem zum Eintreten gegen Gewalt und Unrecht. Zu der Gedenkfeier wird auch der EKD-Ratsvorsitzende und Berliner Bischof Wolfgang Huber erwartet.

Genaue Zahlen der evangelischen Opfer des KZ Sachsenhausen sind nicht dokumentiert. Zu den bekanntesten Häftlingen evangelischen Glaubens zählen der ehemalige Magdeburger Landgerichtsdirektor und Verfasser einer NS-kritischen Denkschrift der Bekennenden Kirche, Friedrich Weißler (1891-1937), der Jurist und Widerstandskämpfer Hans von Dohnanyi (1902-1945) und der Pfarrer Martin Niemöller (1892-1984). Weißler und Dohnanyi wurden im KZ Sachsenhausen ermordet.







Erweiterte KZ-Gedenkstätte Ladelund wird eingeweiht

Ladelund (epd). Deutschlands älteste KZ-Gedenkstätte Ladelund an der deutsch-dänischen Grenze ist mit Kosten von 400.000 Euro erweitert worden.

200.000 Euro davon sind Spenden. Neben dem 1989 errichteten Dokumentenhaus ist ein zweites Gebäude entstanden, um die wachsende Zahl von Besuchern aufnehmen zu können. Am 2. September wir das erweiterte Dokumentenzentrum um

11 Uhr feierlich eröffnet, kündigte ein Sprecher der Einrichtung an.

Dazu werden der Leiter der Kieler Staatskanzlei, Heinz Maurus, und der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth erwartet. Er ist Vorsitzender der nordelbischen Kirchenleitung und Schirmherr der Spendenkampagne. Der Neubau bietet künftig Platz für größere Besuchergruppen. Mehr als 12.000 Besucher werden in Ladelund jährlich gezählt.





Jüdische Gemeinde Lübeck beruft Vorsitzenden ab

Lübeck (epd). Die Jüdische Gemeinde Lübeck hat ihren Vorsitzenden Rolf Verleger nach seinen israel-kritischen Äußerungen abberufen. Er sei damit auch nicht mehr Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig- Holstein, sagte Verleger dem epd. Er bleibe jedoch Delegierter im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland. Verleger ist Professor für Neurophysiologie an der Lübecker Uni-Klinik.

Verleger hatte Anfang August Israels Einmarsch in den Libanon als "Gewaltpolitik" verurteilt. Der jüdische Staat bestrafe Menschen in Kollektivverantwortung, praktiziere Tötungen ohne Gerichtsverfahren und lasse ganze Stadtviertel in Schutt und Asche legen. Zudem warf er dem Präsidium des Zentralrats vor, in seinen öffentlichen Stellungnahmen die dunkle Seite der israelischen Politik im Libanon und gegenüber den Palästinensern zu verschweigen.

Der Zentralrat hatte Verlegers Darstellung umgehend als "absolute Einzelmeinung" zurückgewiesen und angekündigt, an der loyalen Haltung zu Israel festzuhalten.





Diakoniechefin beklagt Mangel an günstigem Wohnraum

Hamburg (epd). Einen deutlichen Mangel an günstigem Wohnraum hat Hamburgs Diakoniechefin Annegrethe Stoltenberg beklagt. Weil viele Problemlagen direkt oder indirekt mit schwierigen Wohnbedingungen verknüpft seien, würden viele soziale Hilfen an ihre Grenzen stoßen oder gar "ineffektiv ins Leere laufen", sagte sie bei der Vorstellung der "wohnungspolitischen Eckpunkte"

der Diakonie. Motto: "Mehr als ein Dach über dem Kopf".

Bis zu 5.000 Menschen würden in Hamburg obdachlos oder in Notunterkünften leben, so Stoltenberg. Über 4.000 Hartz- IV-Empfänger seien zudem zur Senkung ihrer Unterkunftskosten aufgefordert worden, weil ihre Miete nicht den festgesetzten Grenzen entspreche. Dies käme einer Umzugsaufforderung gleich. Doch angemessenen Wohnraum zu dem städtisch verordneten Preis gebe es kaum.